Robotergesetze

Winterträume

Der Ngram Viewer von Google hat mich schon immer fasziniert. Wer ihn nicht kennt, hier kurz die Funktionsweise: Man gibt einen Begriff ein und Google sucht in den für Google Books digitalisierten Büchern nach der Häufigkeit, in der dieser Begriff auftaucht. Der Ngram Viewer zeigt Trends über einen Zeitraum von mehr als 200 Jahren, genauer von 1800 bis 2008. Klar, dass ich den Robotertest machte.

Ich gab also die Wörter Roboter und Künstliche Intelligenz auf Deutsch und Englisch ein und beschränkte mich auf die Zeit ab 1900. Den Roboter-Begriff führte bekanntlich der tschechische Autor Karl Capek mit seinem Stück “R.U.R.” 1920 ein. Dass das Wort auch schon vorher in Büchern auftauchte, zeigt ein grundsätzliches Problem des Ngram Viewer – er findet das Wort auch in Variationen. Hier ein Auszug aus dem Online Etymology Dictionary über den Ursprung des Wortes “robot”:

…from Czech robotnik “slave,” from robota “forced labor, compulsory service, drudgery,” from robotiti “to work, drudge,” from an Old Czech source akin to Old Church Slavonic rabota “servitude,” from rabu “slave,” from Old Slavic *orbu-, from PIE *orbh- “pass from one status to another” (see orphan).

Ich möchte dieses Problem vernachlässigen, weil ich glaube, dass die Statistiken trotzdem zeigen, wie es um die Robotik bestellt war. Zunächst das Ergebnis der englischen Suche:

Die zweite Suche wurde in deutschsprachigen Büchern durchgeführt – sie zeigt ein ähnliches Bild.

Zunächst einmal fällt auf, dass Roboter und Künstliche Intelligenz in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre ihren Boom erlebten, danach aber einbrachen. Interessanterweise erschien 1986 auf dem Höhepunkt der Robotik der Film “Nummer 5 lebt!” (engl. Short Circuit):

1986 führte LEGO die ersten computergesteuerten Produkte ein, die später in Mindstorms überging. Honda begann mit der Entwicklung humanoider Roboter. In der Industrie ging die Automatisierung weiter. Dennoch gab es einen Rückgang – warum? Er hing mit der KI-Blase zusammen: Den vielen Hoffnungen, die sowohl die Wirtschaft als auch die Politik mit der Erforschung der künstlichen Intelligenz verband, folgte ein großer KI-Winter (der Begriff war angelehnt an die Idee eines “nuklearen Winters“).

Die DARPA war schon Ende der 1970er Jahre mit den Fortschritten der KI unzufrieden und steckte weniger Gelder in die Forschungen. 1988 wurden auch die KI-Ausgaben der staatlichen Strategic Computing Initiative, die KI-Forschungen bis dahin massiv gefördert hatte, drastisch reduziert, weil man enttäuscht war. Man versprach sich einfach zu viel: Expertensysteme, die auf alle möglichen Fragen eine Antwort aus dem Hut zaubern sollten; eine künstliche Intelligenz, die das Militär effektiv unterstützt, etwa autonome Panzer oder eine intelligente Einsatzplanung. Auch die Spracherkennung, auf die man so viel gesetzt hatte, war weit hinter den Erwartungen zurück geblieben.

Der Rückzug der Strategic Computing Initiative war der Höhepunkt des Winters. Interessanterweise hatten Roger Schank und Marvin Minsky, zwei der führenden KI-Forscher, schon 1984 angekündigt, dass der Enthusiasmus für KI außer Kontrolle geraden sei und zwangsläufig eine große Depression folgen würde – was drei Jahre später eintraf.

Die Kurven oben zeigen, dass es doch recht lange dauerte, bis sich alles wieder erholt hatte – jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung. Die von Ngram nicht berücksichtigen Jahre 2008 bis 2013 dürften noch einmal einen deutlichen Anstieg der Begriffe zeigen.

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